Das Keltische Kreuz / Radkreuz
Im Tarot ist das Keltische Kreuz wohl eine der bekanntesten Legetechniken – und zugleich eine unterschätzte. Auch Anfänger beginnen immer wieder gerne mit dem Keltischen Kreuz, weil es einfach strukturiert ist und sehr viele Information bietet.
Genau hier liegt aber die größte Schwierigkeit bei dieser Legetechnik. Denn die vielen Informationen, die sie bietet, müssen unter einen Hut gebracht werden und sollten keinesfalls alleinstehend betrachtet werden.
Ursprung des Keltischen Kreuz‘
Das keltische Kreuz als Symbol ist ein Radkreuz – ein herkömmliches Kreuz mit einem senkrechten und einem waagerechten Balken, um deren Schnittpunkt herum sich ein Kreis befindet. Es vereinigt damit das Kreuz mit dem Sonnenrad, das in vielen Kulturen als Glückssymbol galt und gilt (wenngleich es im Dritten Reich als Hakenkreuz aufs Übelste missbraucht wurde.) Dieser Kreis bzw. das Sonnenrad ist es, das diese Legetechnik im Tarot bestimmt. Schaut man sich die wohl bekannteste Legeform des Keltischen Kreuzes an, wird nicht auf den ersten Blick klar, wo die Verbindung besteht. Hierfür muss man sich die traditionelle, etwas in Vergessenheit geratene Legeart anschauen.
Das traditionelle Keltische Kreuz
Die traditionelle Legeart des Keltischen Kreuzes wird auch als „dreifaches Rad“ oder „dreifaches Kreuz“ bezeichnet.
Hier gut zu erkennen, durch die unterschiedliche Farbgebung. Die blauen Karten bilden das erste Kreuz – und bilden gleichzeitig die Radnabe. Sie sind es, die das Thema der Legung beschreiben, das, um was sich – im wahrsten Sinne des Wortes – alles dreht.
Die grünen Karten bestimmen das Thema näher und werden als „Kreuz“ um die ersten beiden Karten geschlagen. Und zwar in der Form, in der man sich selbst klassischer Weise bekreuzigt: Von oben nach unten, von links nach rechts. Soweit gleicht das traditionelle Kreuz dem, welches aus zahlreicher Literatur als „Keltisches Kreuz“ bekannt ist. In der traditionellen Legung wird allerdings auch ein drittes Kreuz – von oben nach unten, von links nach rechts – geschlagen. Hier die roten Karten. Diese Karten sind es, die das Rad nach außen abschließen und damit ihre Berührungspunkte nicht mehr nur nach innen haben, sondern auch nach außen. Und erst dieses Wenden nach außen macht diese Art der Legung komplett. Das Keltische Kreuz schaut den Status Quo an, die inneren und die äußeren Aspekte.
Das erste Kreuz in der Legung
Die hier blau dargestellten Karten 1 & 2 sind die beiden Karten, die zeigen, worum es geht (1) und was dieses Thema akut beeinflusst (2). Diese „Das ist“ und „Das kreuzt“ – Karten sind Bestandteil recht vieler Legetechniken. Sie sollen dem Legenden zeigen, was genau der Kern der Frage ist. Denn gerade wenn für andere Menschen Karten gelegt werden, ist es oft so, dass der Fragende sein Anliegen sehr allgemein hält. Aber auch, wenn wir für uns selbst die Karten legen, helfen diese beiden Karten uns, zu erkennen, wo der wahre Kern unserer Frage liegt.
Das zweite Kreuz im klassischen Radkreuz
Die Karten 3 – 6 bilden das zweite Kreuz und umrahmen das erste. Sie schließen damit das Kernthema ein und definieren es näher. Die Positionen der Karten helfen schon bei der Deutung selbst. Die Karte Nummer 3 ist die „Kopfkarte“ – sie zeigt uns, wie der Fragende bewusst zum Kernthema steht. Die Karte Nummer 4 ist entsprechend das Unterbewusste, die Herzkarte, die uns zeigt, wie der Fragende innerlich, aber unbewusst zu einer Frage steht. Die Karte Nummer 5 steht für die Rückschau in die Vergangenheit. Es handelt sich hierbei um eine Vergangenheit, die dem Kernthema sehr nah ist und das zentrale Thema maßgeblich mit beeinflusst. Entsprechend ist die 6. Karte diejenige, welche den ersten Ausblick in die Zukunft gibt. Einer sehr nahen Zukunft, die das Fragethema ebenfalls maßgeblich beeinflussen wird.
Diese vier Karten des zweiten Kreuzes drehen sich also wie die Speichen und die Radnabe. Speichen entspringen in der Nabe eines Rades und so entspringen die Themen dieser vier Karten auch dem Ursprungsthema und definieren es näher.
Das dritte Kreuz im klassischen keltischen Kreuz
Die Karten 7 – 10 schließen das Rad nach außen ab. Sie zeigen uns die Aspekte, die sich unserer direkten Kenntnis mitunter entziehen. So stehen die Karten 7 & 8 analog um Bewussten (3) und Unbewussten (4) hier für das Auftreten des Fragenden nach außen in die Umwelt (7) und den Einfluss der Umwelt auf den Fragenden (8).
Diese beiden Karten werden oft – egal ob in der klassischen oder in der modernen Varianten des Keltischen Kreuzes – unterschätzt. Dabei sind gerade sie es, die dem Legenden viel Informationen für den Fragenden geben bzw. uns einen Einblick in uns selbst gestatten, wenn wir diese Legung für uns selbst machen. Die Karte 7 spiegelt quasi ein Fremdbild des Fragenden wider. So ist und wirkt derjenige, der fragt. Auch wenn er sich dieser Wirkung selbst vielleicht gar nicht bewusst ist. Die Karte 8 spiegelt diese Interaktion mit der Umwelt und dem Umfeld dann nochmals wider. Sie zeigt, wie die Umwelt auf den Fragenden reagiert und was für ein Umfeld so geschaffen wird.
Die Karte 9 – die auf einer Linie mit der Rückschau in die Vergangenheit (5) liegt, zeigt dann, was den Fragenden im Innersten bewegt: Was wünscht oder fürchtet er? Sie ist eine Reflektion dessen, was den Fragenden beschäftigt. Sie gibt einen Hinweis darauf, was er oder sie sich für den Ausgang dieser Legung erhofft oder befürchtet hat. An diesem Punkt – der 3 x 3, also dem Quadrat einer heiligen Zahl – laufen alle Fäden dieser Legung zusammen und sie bietet hier einen tiefen Einblick in die Psyche des Fragenden.
An diesem Punkt sollte klar werden, warum das Keltische Kreuz eigentlich kein Legesystem für Anfänger ist, sondern viel Übung in der Interpretation und im Umgang mit den Karten braucht. Es bietet schon an dieser Stelle einen so tiefen psychischen Einblick, dass ohne die nötige Erfahrung Schaden angerichtet werden kann.
Die 10. Karte schließlich ist es jedoch, die die meisten Fragenden brennend interessiert. Sie ist es, die das dritte Rad und damit die gesamte Legung schließt und den Blick in die Zukunft gewährt. Wohin wird das Kernthema (1 & 2) den Fragenden letztlich führen – diese Antwort findet sich auf dieser letzten Position.
Gefahren bei der Legung des Keltischen Kreuz
Viele Fragende zielen mit ihrer Frage auf einen Punkt in der Legung ab: Die Karte Nummer 10. Alles andere wird oft vernachlässigt, denn die 10. Karte verspricht ja den Blick in die Zukunft. Doch das ist definitiv mit Vorsicht zu genießen. Denn das Keltische Kreuz ist komplex und letztlich nur dann richtig zu interpretieren, wenn alle Karten gleichermaßen betrachtet werden. Besonders die Karten 7 – 9 werden oft viel zu nachlässig betrachtet, dabei verraten sie so viel über den Fragenden und vor allen Dingen auch dessen Intentionen.
Die moderne Variante des Keltischen Kreuzes
Die Drei-Kreuz-Legung, die sich am Radkreuz der Kelten orientiert, wird heute oft in abgewandelter Form verwendet. Die beiden ersten Kreuze (hier blau und grün) werden wie im traditionellen auch gelegt. Das äußere Kreuz hingegen wir nach außen gezogen.
Diese Art der Legung unterstreicht, dass das äußere Rad nur noch bedingt mit dem Fragethema an sich zu tun hat und sehr viel allgemeiner nach außen schaut. In dieser moderneren Variante geht allerdings der Bezug zum Kernthema auch etwas verloren und die Gefahr der nachlässigen Interpretation der Karten 7 – 9 und die starke Fokussierung auf die „Zukunftskarten“ 6 & 10 steigt.