Kusche, Reinhold: Klaras lange Reise zu den Scilly-Inseln
„Klaras lange Reise zu den Scilly-Inseln“ von Reinhold Kusche ist laut Klappentext einen „spiritueller Roman“. Erzählt wird die Geschichte über das Mädchen Klara, das früh an einem Hirntumor erkrankt von einem Ich-Erzähler namens Robert. Eindrucksvoll schildert Robert, was das kleine Mädchen und später der Teenager Klara erlebt und vor allen Dingen, wie sie es erlebt.
Klaras lange Reise ist keine Krankheitsgeschichte
Auch wenn der Roman mit den Geschehnissen um das 8-jährige Mädchen anfängt, das unter Kopfschmerzen leidet und bei dem schließlich ein Hirntumor festgestellt wird, beginnt, ist es keine Krankheitsgeschichte. Durch den Ich-Erzähler Robert ist bereits zu Beginn des Buchs klar: Klara wird überleben. Denn Robert erzählt hier die Geschichte seiner Frau. Dennoch ist es so, dass man beim Lesen sicher schlucken muss, wenn dem kleinen Mädchen in der Klinik erklärt wird, was gerade in ihrem Kopf passiert. Gerade diese Passage, in der ein Professor der 8-jährigen Klara an ihrem Geburtstag erklärt, was ihre Kopfschmerzen verursacht, ist unglaublich einfühlsam und intensiv geschrieben. Eine Szene, die tief zu berühren vermag und jeden, der selbst ein Kind hat, vielleicht sogar zu Tränen rührt. Auch wenn man bereits weiß: Alles wird gut.
Klaras lange Reise – ein spiritueller Roman
Aber „Klaras lange Reise zu den Scilly-Inseln“ von Reinhold Kusche ist natürlich viel mehr als diese eine Szene. Denn die Tatsache, dass Klara gesund wird, grenzt an ein Wunder – ein Wunder, das sie selbst mitbewirkt. Erzählt wird von ihrer tiefen Trauer, die Klara zunächst zu lähmen scheint. Sie zieht sich von ihrer Umwelt zurück und wartet auf ihre Operation oder ihren Tod. Doch im wahrsten Sinne des Wortes „über Nacht“ ändert sich das. Eines Morgens ist Klara wieder voller guter Dinge und Optimismus, dass sie leben wird. Erst am Ende des Buchs, dann, wenn Klara mit Robert eben auf den im Titel erwähnten Scilly-Inseln steht, wird klar, was in dieser geheimnisvollen Nacht passiert ist. Doch bis dahin hat Klara eben noch eine lange Reise vor sich.
Klaras Reise – Klaras Leben
Die Operation verläuft erfolgreich und das kleine Mädchen erholt sich prächtig. Doch etwas ist anders. Auf einer Reise zu den Großeltern sieht sie zum ersten Mal Farben, Energie, Aura – wie immer man es nennen möchte – über einem Wald schweben. Sie ist tief beeindruckt, und doch weiß sie dieses Erlebnis nicht einzuordnen. In ihren Großeltern findet sie aber die perfekten Ansprechpartner hierfür. Insbesondere der Großvater hat eine hohe Affinität zur Spiritualität und nimmt Klara im übertragenen Sinne an die Hand. Mit geschickten Fragen lenkt er ihre Gedanken und ihren Geist (und die des Lesenden gleich mit): Ist meine Realität dieselbe wie die eines anderen? Was sind Gefühle und sind sie für alle Menschen gleich? Wie sehr beeinflussen meine Gedanken meine Gefühle?
Egal ob Ärger im Elternhaus, mit der Schule oder eine unglückliche Liebe. Klaras Großeltern bringen sie immer wieder dazu, sich und die Welt zu hinterfragen. Auf ihrer Reise trifft Klara immer wieder Menschen, die sie ähnlich beeinflussen. Zum Beispiel eine Lehrerin oder eine Gastfamilie in Deutschland. Am Ende ihrer Reise, an jenem Tag auf den Scilly-Inseln ist es aber nur ihre große Liebe Robert, der sie erzählt, was in jener geheimnisvollen Nacht vor ihrer Operation passiert ist. Was das ist, wollen wir hier nicht verraten – selbst lesen bringt einfach mehr.
Das Fazit
Dieser Roman geht unter die Haut. Er ist eine wohltuende Abwechslung zu all den Serienkillern, die man sonst derzeit in Romanen geboten bekommt. Allerdings ist „Klaras lange Reise zu den Scilly-Inseln“ von Reinhold Kusche mitunter auch verstörend. Wer Pech hat, dessen Weltbild wird auf den Kopf gestellt – und vielleicht ist es auch ein großes Glück. Die Geschichte, auch wenn es – von dem Tumor und der OP abgesehen – die ganz normale Geschichte eines ganz normalen Mädchens ist, fesselt und berührt. Vielleicht, weil alles so „normal“ ist und man sich selbst erkennen kann. Vielleicht weil es so außergewöhnlich ist und man manchmal leise murmelnd nicken muss. Vielleicht aber auch, weil man zum Mitdenken gezwungen wird.
Einen etwas „persönlicheren Eindruck“ gibt es hier: www.huss-schaefer.de
Verlag: Spielberg Verlag, Regensburg
ISBN: 978-3-940609-22-9